Fakten, Fakten, Fakten* – Die Zusammenfassung

*Der Titel wurde vom Focus-Werbespot mit Helmut Markwort dreist geklaut!

Nun bin ich also auch schon wieder seit einer Woche zu Hause. Zeit für eine abschliessende Zusammenfassung. Seit dem letzten Beitrag konnte ich noch einige weitere Städte in Skandinavien besuchen und bin schlussendlich über Berlin wieder in der beschaulichen Schweiz gelandet.

Die komplette Route

Neuendorf, München, Salzburg, Augsburg, Haan (Düsseldorf, Köln und Co.), Prag, Bratislava, Wien, Budapest, Graz, Paris, Madrid, Barcelona, Porto, Lissabon, Amsterdam, Bremen, Lübeck, Fehmarn, Hamburg, Kiel, Oslo, Bergen, Stockholm, Göteborg, Kopenhagen, Berlin und wieder Neuendorf.

Professionell grafisch aufbereitet sieht das dann so aus:
Interrail-Route 2013

 

Gedauert hat die Reise genau 8 Wochen oder 56 Tage. Hab ich mit meinem Perscheid-Abreisskalender nachgerechnet:
Kalenderblätter

 

Zahlenspiele und Statistiken

  • Der zurückgelegte Weg, gemäss Google Maps, ist so ungefähr, zirka, Pi mal Daumen, in etwa 16’100 Kilometer. Das entspricht ziemlich genau der Distanz von der Erde zum Mond… sollte er dereinst 368’900 Kilometer näher rücken
  • Total verbrachte ich 6 Tage 2 Stunden 58 Minuten im Zug. Ganz schön lange, um von A nach A zu kommen. A steht übrigens für Neuendorf
  • Die längste Bahnfahrt dauerte 15 Stunden und 32 Minuten
  • Die schnellste Zugfahrt war in Spanien mit ca. 300 km/h
  • Am wärmsten war es in Lissabon mit ca. 35°, am kältesten in Finse (N) 1’222 m ü. M. wo ich zwar die Temperatur nicht weiss, aber noch Schnee lag
  • Am längsten regnete es in Kiel, ca. 90 Minuten
  • Gefühlt hab ich 90% des Reisebudgets in Norwegen aufgebraucht und die restlichen 50% in den anderen Ländern (Rechnen ist nicht meine Stärke)
  • Der grösste ausgegebene Betrag war 13900 für ein Depeche Mode-Ticket. Allerdings in Forint, was es doch sehr viel erschwinglicher macht
  • Mein Bart war in Lübeck am längsten (Samstagabend) und am kürzesten, ebenfalls in Lübeck (Sonntagmorgen)
  • Am längsten hell war es in Bergen, wo es nach Mitternacht noch nicht ganz dunkel war. Am längsten dunkel war es dagegen in Stockholm, weil mein Zimmer im Keller kein Fenster hatte
  • Am wenigsten Steckdosen gab es im Backpacker in Barcelona. Drei Stück für sechs Leute. In der Zeit der Smartphones ein Weltuntergang
  • Sechs Paar Socken und ein Paar Schuhe hab ich durchgetreten und mussten fachkundig entsorgt werden

 

Die skurrilsten Fotos

Alle weiteren Fotos auf flickr im Album Interrail 2013

Das schönste Funkloch der Welt

Von Fähren, Krankenhäusern, Landschaften und Möwen

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Im letzten Beitrag hab ich es ja schon vermutet und es hat auch wirklich geklappt. In Kiel konnte ich einen Platz auf der Fähre kriegen. Es ist ja schon nicht mehr so wie früher. Also in den guten alten Zeiten. Ich glaube diese Aussage ist den vielen alten Menschen geschuldet die hier im Zug wirr und permanent den Weg versperren. Auf der Suche nach dem richtigen Platz. Das ist wichtig, denn hier in Norwegen müssen in der Bahn Plätze reserviert werden. Alle! So gefangen im Speisewagen, habe ich jedenfalls viel Zeit, diese Zeilen zu schreiben. Dabei schlürfte ich den Gratiskaffee, da das Personal kein Wechselgeld auf mein Papiergeld hat. Danke liebe NSB! Übrigens in Norwegen zahlt man ja auch gerne mal Mikrobeträge, wie einen Kaffee oder einen Schokoriegel, mit Karte. Doch bei den Gebühren, die die Banken so wollen, käme mich die Zahlung teurer, als das Getränk. Aber der Reihe nach, eigentlich bin ich ja noch in Kiel. In diesen Zeilen jedenfalls.

Früher also, früher gab es auf Fähren noch Rabatt für Interrailer. Gibt es zwar heute teilweise immer noch, aber auf sehr wenigen ausgewählten Strecken. Meist ganz kurze. So zweieinhalb Stunden. Das wollte ich wiederum nicht. Kaum auf der Fähre, schon wieder runter, macht keinen Spass. Eine gute Überfahrt sollte schon eine Nacht lang dauern. Pubs, Restaurants, Karaoke-Bars und Clubs gehören dazu. Und zwischendurch wieder mal an die Reling stehen und sich den salzigen Wind ins Gesicht wehen lassen. Dass nenne ich eine Fährenfahrt. So muss es sein.

Ja, gut. Das gibt es immer noch. Kostet nur ein bisschen mehr, als. Es ist jetzt auch Zwang eine Kabine zu mieten. Damals gab es auf den Fähren noch diese, sagen wir mal, Wartehalle, wo man sein Gepäck hinschmiss und darauf vertraute, dass niemand damit abhauen kann, ausser mit dem Rettungsboot. Spät in der Nacht, spätestens wenn man nicht mehr wusste, ob es der Seegang oder der Alkohol ist, ging man auf einen Stuhl pennen.

So ist es also nicht mehr. Alles ein wenig vornehmer, aber auch OK. Es ist ja schliesslich nicht mehr früher. In der Gegenwart, weiss man, dass es der Seegang ist. Wenn’s da bloss einen gegeben hätte. Das riesige Schiff pflügte sich, wie auf Schienen durch die Ostsee. Klar, viele Leute sind froh darüber. Ich finde, es fehlt was. Trotzdem, eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön. Sagte schon ein alter Schlager. Freddy Quinn, Hans Albers oder sonst ein singender Leichtmatrose lässt grüssen.

Obwohl ich bereits um vier aufwachte, konnte ich den Sonnenaufgang leider nicht geniessen. Es war schon hell. Stimmt, ich bin ja endlich im Norden. Tja, Sonnenaufgänge und ich, wir begegnen uns nur ganz, ganz selten. Da herrscht eine natürliche gegenseitige scheu. Trotzdem war’s schön, besonders kurz vor Oslo im Fjord, wenn man an Hunderten kleinen Inseln vorbeifährt. Manchmal grad so gross, wie das Häuschen, was drauf steht. Schären heissen die Dinger, glaub ich. Oder heissen die nur in Schweden so?

Auch wenn ich auf Reisen bin, gibt es tägliche Routine. Einerseits die Zugverbindungen ausfindig machen und je nach Land den Platz reservieren. Andererseits schauen, wo man seine müden Knochen zur Ruhe betten kann. Da bietet sich natürlich ein Friedhof an. Das ist aber für mich zurzeit noch zu langfristig gedacht. Üblicherweise sucht man sich also ein Backpacker, Hostel oder Hotel. Die offiziellen Jugendherbergen kommen nicht in Frage, da ich vor Jahrzehnten aus diesem Verein ausgeschlossen wurde und ich keine Ahnung hab, ob das schon verjährt ist. Doch in Oslo scheint jetzt schon Hochsaison zu sein. Alles ausgebucht oder so teuer, dass ich dann doch lieber meinen Kaffee mit der Kreditkarte gezahlt hätte. Was nun?

Dank einem Tipp der Touristeninformation kam ich doch noch zu einer bezahlbaren Unterkunft. In Norwegen sind die Distanzen teilweise so gross, dass für die Besucher der Patienten von den Spitälern Hotels betrieben werden. Diese sind aber auch für Gäste aus aller Welt offen. Wenn man also bereit ist, ein wenig ausserhalb der Stadt zu wohnen, ist gar nicht mal so schlecht. Krankenhäuser sind ja wenigstens gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Bloss eines gilt es zu Beachten. Die Klingelknöpfe im Bad und neben dem Bett sind definitiv nicht der Zimmerservice!

So ein Krankenhauszimmer hab ich dann auch in Bergen ergattert. Eigentlich fast schade, dass ich jetzt gerade kein Zipperlein, wie Blasen an den Füsse oder so habe. Da wär sicher noch ein Arzttermin im Zimmerpreis inbegriffen gewesen. Einige denken jetzt zu recht, ich solle doch nicht so geizig sein, schliesslich lebt man nur einmal. Das stimmt natürlich auch, aber wer schon mal die Preise – egal für was – in Norwegen gesehen hat, weiss dass man zwar nur einmal lebt, aber dann wohl nicht mehr so lange. Mehrere Freunde haben mich auch darauf hingewiesen, dass sie gerade eben ein Beitrag auf 20 Minuten Online gelesen haben, der besagt, dass Norwegen noch teurer ist, als die Schweiz. Stimmt!

Dennoch lohnt sich die Reise in dieses Land. Die Landschaften sind einfach wunderbar. Auf der Zugreise von Oslo nach Bergen sieht man Wälder, Seen, Fjorde, Hochebenen und auf dem Pass (1’222 m ü. M.) sogar jede Menge Schnee. Eine der schönsten Strecken, die man machen kann. Dies bestätigen auch viele Reiseblogger, die das Schreiben ein wenig seriöser betreiben, als ich. Der Geek, der ich nun mal bin, googelt gerne mal wo er sich gerade befindet oder sucht weitere Infos zu Dörfern, Seen oder Berggipfeln im Internet. Dies muss man sich in dieser Region allerdings aufsparen, bis man wieder in der Zivilisation ist. Wo nichts ist, gibt es auch keinen Empfang. So möchte ich diese Strecke als schönstes Funkloch der Welt bezeichnen. Und noch ein Tipp: Ebenso zu empfehlen ist eine Bootsfahrt in eines der vielen Fjorde. Einfach atemberaubend. Zuvor darf man bloss nicht vergessen das Auto, das Haus und alle weiteren Wertgegenstände zu verkaufen, um sich das leisten zu können.

Zum Schluss, weil es ja so in der Überschrift steht, noch eine ganz wichtige Information zu Möwen im Allgemeinen. Diese putzigen, neugierigen Vögel, die den Menschen in Küstennähe gerne begleiten und kaum scheu zeigen. Ich sag mal so, alle die sich über Tauben aufregen, können froh sein, dass wir in unseren Städten keine Möwen haben. Wer jetzt denkt, ich wurde getroffen, muss ich leider enttäuschen. Für jede Pointe gebe ich mich jetzt auch nicht her. Aber zugegeben, beinahe schon. Als so ein Exemplar über mich hinweg flog, hat es sich bei dieser Gelegenheit auch gleich noch erleichtert. Wie schon gesagt, getroffen wurde ich nicht, aber ich dachte, neben mir sei ein mit Wasser gefüllter Ballon eingeschlagen. Wie kann ein so kleines Tier solch eine Verdauung haben? Mit diese Frage entlasse ich dich, lieber Leser, bis zum nächsten Beitrag. Denk drüber nach!

Eines natürlich noch. Die Fotos! Schliesslich mache ich die nicht für mich, sondern exklusiv und mit viel Mühe nur für dich! Die Maus oder den Finger hierhin bewegen und einmal klicken oder tippen. Sollte sogar mit Apple-Geräten funktionieren.

Bart ab(er) herzlich

Ich hab mir gedacht, ich mach es mal wie Bligg (Sorry, dass muss man ja in Grossbuchstaben schreiben. Also BLIGG). Eben, so wie dieser rappende Wiederholungstäter, der seit gefühlten fünf Alben nichts mehr Neues produziert hat. Egal, ich wollt das bloss mal öffentlich loswerden. Also, ich wollte das Gestrüpp wachsen lassen. Nicht ankleben. Dies weil ich zu faul zum rasieren bin und weil ich mir ohne Rasierutensielien auch viel Gepäck ersparen kann.

Doch irgendwie hat sich das Experiment nicht so richtig bewährt. Es beisst und kratzt. Speise- und Getränkereste sammeln sich darin und eben, es beisst. Ausserdem werde ich in diesem Look wohl für eine doch sehr zwielichtige Persönlichkeit gehalten. Bärte machen Leute, oder so ähnlich. In Lissabon konnte ich keine zwei Meter laufen ohne dass mir die vielfältigsten Drogen angeboten wurden. Sonder- und Probierangebote. Soll ich meine Selbstständigkeit als Drogendealer beginnen? Nuja, doch nicht meine Welt. In Hotels rümpfte das Personal an der Rezeption die Nase und verlangte umgehend Vorauskasse. Selbst in Backpackers und Hostel drückten sie mir mitleidig Kleingeld in die Hand. „Aber nicht versaufen, gell!“

Von einer solchen Behandlung stand in meinem Hotel-App nie was. Obwohl die Leute sonst wirklich alles an einem Hotel, Hostel oder Backpacker bemängeln. Sie wollen nichts zahlen, aber meckern dann, wenn in einem 6-Bett-Zimmer nicht alle Gleichzeitig schlafen und aufstehen oder wenn ein Hotel, das laut Beschrieb, fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist, auch wirklich so weit weg ist. Sie mosern, wenn sie eine Gemeinschaftsdusche benutzen müssen, obwohl auch dies natürlich klar im Beschrieb stand.

Ja, es gibt auch Hotels, die in der Online-Beschreibung etwas schummeln, aber die Kommentare der Community toppen alles. Mittlerweile gehe ich ausschliesslich dort übernachten, wo die Bewertungen mit „Ich bin ja wirklich nicht heikel, aber…“ beginnen. Man kann Gift drauf nehmen, das dort alles im Lot ist.

Doch bis man im Hotel ist, braucht man meist noch Strassenbahn, U-Bahn, Metro oder Bus. Und immer wieder das grosse Rätsel um die Tickets. Findet man einen Automaten, ist es noch relativ leicht. Bei vielen kann man sogar die Sprache ändern. Deutsch oder englisch. Das genügt. Findet man trotzdem das richtige Billet nicht, hilft garantiert jemand, wenn auch manchmal leicht genervt. Dies weil ich wieder mal nicht bemerkt habe, dass die Schlange hinter mir länger als die ganze Metro-Station ist.

In anderen Städten kauft man die Tickets, wenn überhaupt, am Kiosk. Da hab ich ja schon drüber berichtet. Doch am schrägsten war es in Amsterdam. In einer solch grossen, zivilisierten Stadt erwartete ich am Bahnhof auch Automaten. Doch weit und breit nichts. Kurz umgeschaut, sah ich ein Tram in der Nähe stehen und die Tür zum Fahrer war offen. Also das pure Gegenteil zu „Das sprechen mit dem Strassenbahnfahrer ist unter Todesstrafe verboten“. Cool, mal hingehen und ihn fragen. Er kann mich ja immer noch zum Teufel jagen.

„Hello, wo kann I buy Tickets for sis Strassenbahn?“ Die Antwort erstaunte mich dann schon ein wenig. Bei ihm selber. Hä, der fährt doch ein Tram und muss auch noch Tickets verkaufen? Wohin es denn gehen soll, fragte er mich. Bis ich mühsam die Adresse hervorgekramt hatte, fuhren wir bereits Richtung Innenstadt. Hilfsbereit sagte er mir was ich für einen Fahrschein brauche, kassierte, druckte das Ticket aus, versprach mir sich übers Mikrofon zu melden, wann ich aussteigen muss UND fuhr gleichzeitig das Gefährt durch eine belebte Fussgängerzone. OK, Multitasking gibt’s also doch. Ich war übrigens nicht der einzige mit Orientierungsschwierigkeiten. Zirka jede zweite Haltestelle schickte er jemanden raus, wünschte einen schönen Tag, kassierte die nächsten Tickets ein und fuhr gleichzeitig die Strassenbahn gemächlich Richtung Endstation.

Seit dem letzten Blogbeitrag war ich übrigens in Amsterdam, Bremen, Lübeck, auf der Insel Fehmarn Urlaub machen und bin nun, nach einem kurzen Zwischenstopp in Hamburg, auf dem Weg nach Kiel, wo ich irgendwie eine Fähre nach Skandinavien erwischen möchte. Alle Fotos dazu, wie immer auf flickr.

Ach ja, wiederwillig bin ich am letzten Wochenende in einen Supermarkt und hab ich mit Wegwerfklingen, Rasierschaum und After Shave eingedeckt. Keine Drogenangebote mehr!

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Aber ich wollte doch in den Norden

Die Kaffee-Universität

Ach ja. Nach einer Nacht im Nachtzug oder auch im Zughotel, wie es hier so beschönigend heisst, gibt es nichts besseres, als im Hostel angekommen, kurz mal aufs Bett zu sitzen und ein paar Minuten Pause zu machen. Also, Rucksack in die Ecke geschmissen und… Krach! Das Bett machte ein paar Geräusche und krachte unter mir zusammen. Schon wieder ein Zeichen für eine Diät? Mal kurz an die Rezeption und ganz dezent darauf hinweisen, dass dies Ding nicht mehr steht, auch ohne dass ich es als Trampolin missbraucht habe. Die herbeigeeilten Angestellten – irgendwie müssen sie es gehört haben – nahmen es mit Humor. Gemeinsam montierten wir mit dürftigem Werkzeug neue Füsse. Komisch, der Boss dieses Hostels hatte die Ersatzteile in Kürze zur Hand. Ich war wohl nicht der Erste.

Es folgte was so üblich ist. Sightseeing, essen, trinken, ausruhen im Park und natürlich die Sonne geniessen. Übernachten, aufstehen und irgendwann wieder im Zug weiterreisen. Das Ziel Barcelona. So könnte ich ja nach dem Aufenthalt in der katalanischen Hauptstadt weiterziehen nach Marseille, Paris, Brüssel, Amsterdam und immer weiter in den Norden. Schliesslich ist die halbe Reisezeit schon um und ich wollte doch unbedingt noch an die Nord- und Ostsee, sowie nach Skandinavien. Aber es kommt meist anders, als man denkt.

Wieder mal in einem Starbucks oder einer der vielen Konkurrenten, schaute ich aufs Smartphone. Das Handy ist auch der Grund wieso ich ab und zu diese pseudo trendigen Kaffeehäuser besuche. Jene, die voller jungen Hipsters mit stylischen Nerdbrillen sind, die einen Kaffee mit Haselnuss-Oliven-Fenchelgeschmack und kolumbianischer, mitteldunkler Röstung bestellen. Sich sodann in einer Sofaecke einrichten und mit diesem einen Getränk bewaffnet die Legitimation erhalten, bis zum Abschluss der Doktorarbeit auf dem iBook rumzutippen. Obwohl es doch viel nettere Cafés gäbe.

Alleine schon der Bestellvorgang wird wohl an Universitäten in Vorlesungen gelehrt. Schliesslich muss man sich mit Kaffeesorten, Röstungen, Grössenbezeichnungen – „Tall“, zum Beispiel, ist die kleinste Tasse – sowie unendlichen Flavors und sonstigen unnatürlichen Zusätzen auskennen. Ausserdem ist es auch interessant zu wissen, wieso die Zubereitung eines Café drei Leute beschäftigt.

Eine Person nimmt die Bestellung auf. Hier ist es von Vorteil, wenn man nur gebrochen englisch spricht, so verzichten sie auf die lästigen Zusatzfragen nach Lage der Kaffeebohnen, Herkunft des Wassers und dem Namen des Kaffeebohnenpflückers. Genervt entscheiden sie dann selber, was das Beste für mich sein wird. Nun nur noch den Vornamen angeben, bevor man zur nächsten Person geschickt wird. Endlich mal was, wo ich in unzähligen Sprachen mithalten kann. Peter in Deutsch, Peter in Englisch, Pietro, Pjotr, Pierre, Pedro und so weiter.

Beim nächsten Starbucks Mitarbeiter angelangt, wird man trotz schriftlicher Bestellung auf fünf DIN A4-Seiten der ersten Person, nochmal nach dem Getränkewunsch befragt. Wird wohl ein Test sein, ob man noch weiss, was man möchte. Dann endlich darf man die Bestellung bezahlen. Mit dem Kassenbon bewaffnet läuft man nun ans Ende des Tresens zu Mitarbeiter Nummer drei und schnappt sich umgehen den nächstbesten Becher, der hingestellt wird. Wieso? Weil man seine eigene Bestellung sowieso nicht bekommt. Für Insider, das ist wie mit den Crêpes im Magazin in Olten. Ausserdem hat man in den letzten 5 Minuten auch einen neuen Namen verpasst gekriegt. Schliesslich hat der oder die Starbucks MitarbeiterIn des Monats, die meinen Namen auf den Pappbecher gekritzelt hat, eine derartige Sauklaue, dass ich jetzt José, Daniela oder Jean heisse.

Pendeln und Katzensprünge in Spanien und Portugal

But, so fucking what? Ich bin ja schliesslich nicht wegen dem Kaffee dort. Das ist schliesslich Niemand! Wir alle sind im Starbucks, weil’s dort gratis Wi-Fi gibt. Somit wären wir auch wieder bei meinem Blick aufs Smartphone. Kurz die Mails, SMS, Messenger, WhatsApp und die weiteren üblichen Kommunikationsapps checken. Aha, es scheint, die halbe Schweiz ist in Spanien oder Portugal. Ein paar Leute sind sogar keine 50 Kilometer von mir entfernt. Die könnte man ja auf einen Schluck Sangria besuchen. Doch obwohl ich mit meinem Interrail-Ticket halbe Kontinente durchquere, ist es kaum möglich den übernächsten Badeort mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Also vergessen wir das.

Doch die sieben Freundinnen, die sich ein verlängertes Shoppingweekend in Madrid gönnen, sind in zweieinhalb Stunden locker erreichbar. Für Interrailer ist das sowas, wie pendeln zur Arbeit. Ausserdem meldeten sich noch zwei weitere Bekannte bei mir. Sie seien bald in Porto und wollen von dort, nach einem letzten gemütlichen Wochenende, den Jakobsweg bewältigen. Ich solle doch vorbeischauen. Schliesslich sei ich schon auf der Iberischen Halbinsel. Sozusagen ein Katzensprung. OK, wieso auch nicht? Schliesslich soll das Wetter im Norden noch nicht wirklich berauschend sein und wenn schon alle da sind. Gehen wir also schnell zum Bahnhof die verschiedenen Reservationen machen. Auch hier ist das Wort schnell natürlich sehr relativ. Zeit ist ja sowieso relativ. Hat ja schon Einstein gesagt, der alte Backpacker. So ein kühnes Unterfangen kann schon mal zweieinhalb Stunden dauern.

Gut, nachdem ich eine riesen Gaudi in Barcelona hatte – sorry für dieses lausige Wortspiel – nur noch was Essen, danach früh ins Bett, weil ich sehr früh wieder raus muss. Hier bietet sich einer der vielen Tapas-Bars an oder auch ein Museo de Jamón. Ich liebe die Dinger. Sieht von aussen aus, wie eine Metzgerei. Es hängen leckere Schinken und Salamis rum, hinter der Theke werden noch weitere Leckereien feilgeboten. Trotzdem ist irgendwas anders. Ach ja, an der Theke stehen Barhocker und bei der Kasse hat’s ja sogar ein Zapfhahn. Cool! Geh ich jetzt eigentlich in die Bar Fleisch kaufen oder in die Metzgerei saufen? Völlig egal, beides finde ich Weltklasse.

Meine Füsse und ich

Lange haben sie zu mir gehalten, gingen mit mir durch dick und dünn. Sie waren in allen Metropolen dabei und hatten scheinbar auch Freude daran. Aber jetzt in Barcelona? Nein, wir waren kein Team mehr. Die Freundschaft schien vorbei. Genauer gesagt, seit Barcelona standen wir auf Kriegsfuss. Die Grundfläche der Blasen nahm überhand und dies an den unmöglichsten Orten. Die Ärmsten hatten aber in letzter Zeit auch einiges zu tun.

Anderntags wieder zurück in Madrid, gönnte ich ihnen eine Verschnaufpause und mir ja eigentlich auch. Auf dem Hauptplatz lüftete ich meine Treter aus. Doch kaum Schuhe und Socken ausgezogen, kam schon lautstark eine grosse Gruppe Demonstranten näher. Notiz an mich selber: In der Öffentlichkeit die Füsse in den Schuhen lassen!

Aber ich muss ja sowieso weiter, schliesslich treffe ich mich noch mit ein paar Leuten. Genauer gesagt mit sieben Frauen. Sieben Frauen mit diesem blitzen in den Augen, was sie bekommen, wenn sie von lauter Flagshipstores der wichtigsten Modemarken umgeben sind. Doch ich hatte Glück, sie waren sehr gnädig mit mir. Fütterten mich mit Tapas und erzählten, wie sie ihre Männer und Kinder zu Hause bei strömendem Regen im Garten zum Zelten schickten. Vielleicht war es aber auch ganz anders. Der dauernde Schlafentzug den ich in Nachtzügen und Backpackers eingefahren habe, lässt meine Wahrnehmung etwas verschwimmen.

Wenn wir schon bei Nachtzügen sind. Madrid-Porto war wieder so einer. Und immer wenn man meint, man kann jetzt damit umgehen, wird es noch ein wenig schlimmer. Der Fuss mittlerweile leicht entzündet, musste ich mich in ein noch kleineres Viererabteil quetschen. Ich wusste nicht, dass man so viele Leute auf so wenig Fläche unterbringen kann. Aber es geht. Irgendwie. Kaum ins Abteil gequetscht, kam auch schon der Schaffner. Der einzige, den ich bis jetzt getroffen habe, der nicht englisch konnte. Ich bin ja auch nicht in England – kein Problem. Aber irgendwie war er sehr aufgeregt und hat in einem Affenzahn mein Ticket kommentiert. Ich dachte schon, der schmeisst mich jetzt raus. Ohne anzuhalten! Doch das nette Mädel gegenüber merkte, dass ich nur noch Bahnhof verstand und spielte Dolmetscher. Gegenstand der Aufregung? Die hatten mir am Bahnhof ein zu teures Ticket verkauft und ich soll dringend in Porto das Geld zurückverlangen.

Morgens um sieben musste ich dann trotzdem noch im Niemandsland aussteigen. Doch das musste gemäss Fahrplan so sein. Zwei Geleise, ein paar Bauruinen um den Bahnhof herum und eine Stunde Wartezeit. Doch Neugier lohnt sich auch dann, wenn man in einem Kaff kurz vor der Portugiesischen Grenze strandet. Es hatte tatsächlich ein kleines, unscheinbares Café. Immerhin. Nochmal zwei Stunden später kam ich endlich in Porto an. Nebst Sehenswürdigkeiten gucken und lecker Fisch essen, bekam ich von meiner Bekannten erst noch die Füsse repariert. Grosser Service sozusagen. Gut dass sie Krankenschwester und eine wandelnde Apotheke ist. Die diversen Tabletten lassen mich seither schweben, statt laufen. Das werde ich ihr nie vergessen.

Übrigens, mittlerweile bin ich in Lissabon. Eine wunderschöne Stadt. Trotzdem musste ich jetzt endlich zu härteren Massnahmen greifen. In meinen Händen halt ich nun ein Flugticket nach Amsterdam. Schliesslich wollte ich doch in den Norden!

Alle Fotos der letzten Tage, wie immer auf flickr.

Schlechte Verbindungen, Nachtzüge und leere Akkus

Nach ein paar Städten im Osten, war mal ein Richtungswechsel fällig. Das ist aber nicht so einfach, wie man glauben könnte. Zum einen haben nicht alle Städte wirklich tolle Anschlüsse an den Fernverkehr, zum anderen darf ich ja nicht durch die Schweiz fahren. Dort ist das Interrail-Ticket nicht gültig. Nicht, weil die Schweiz da nicht mitmacht, sondern, weil das Ticket im eigenen Land nicht gültig. Man möchte ja schliesslich auch nicht die Heimat bereisen. Obwohl das auch schön ist, aber jetzt ist Europa an der Reihe.

Mein Problem nach Budapest war also plötzlich nicht mehr, wohin möchte ich fahren, sondern wohin fährt was. Ausserdem muss am Zielort auch noch ein Hostel oder Hotel zu finden sein. Mangels Alternativen fuhr ich dann erstmals nach Graz. Obwohl das Städtchen nicht auf meinem Reiseplan stand, war es doch ganz nett dort. Klar, es ist jetzt nicht gerade eine Metropole, dafür konnte ich mich an der steirischen Berglandschaft erfreuen.

Doch auch von hier kam ich nicht gerade unkompliziert weiter. Eigentlich wären Destinationen am Meer in Italien mein nächstes Wunschziel gewesen. Doch entweder klappte das mit dem Zug nicht oder die Hostels/Hotels sind, sogar ausserhalb der Saison, schon so teuer, dass das irgendwie nicht zum Trampen passt. Genug von dutzende Varianten zu prüfen, beschloss ich einfach mal nach München zu fahren. Dort ist das Angebot an Fern- und Nachtzügen vielfältiger.

Tatsächlich bekam ich noch einen Platz im Citynightliner nach Paris. Dies obwohl der ganze Zug voll war mit Bayern-Fans, die auf dem Weg nach England waren. Bis zur Abfahrt war ich zu einer Abschiedsparty einer, jetzt ehemaliger, Amazon-Mitarbeiterin eingeladen. Ob ich das, als ehemaliger Weltbild-Mitarbeiter überhaupt schreiben darf? Egal! Es war ein super lustiger Zeitvertreib. So gut, dass ich mich dann noch so richtig auf den Zug beeilen musste. Danke auch für die vielen Brezen, die ich als Reiseproviant mit auf den Weg bekam. Wohlgemerkt, das waren so viele, dass ich mich locker eine Woche hätte davon ernähren können. Meinem Dank schliessen sich somit auch die Fussballfans an, denen ich die Brezen verteilt habe.

Jetzt wo ich sogar schon in Nachtzügen schlafen kann – das war ja zu Beginn nicht gerade der Fall – will ich’s wissen. Nach ein paar Tagen Paris, geht’s munter weiter nach Madrid. Diese Zeit kann man super nutzen wieder mal ein paar Zeilen ins Blog zu schreibe. Ich hatte zwar immer mal wieder ein paar Ideen, doch meistens fehlte die Zeit sie aufzuschreiben. Jetzt hab ich genügen davon. Zeit jedenfalls. Der Zug von Paris nach Madrid braucht schliesslich über fünfzehn Stunden. Wär‘ also gelacht, wenn da nicht ein paar Zeilen zusammenkommen. Bloss ausgerechnet jetzt fehlt mir die zündende Idee.

Gut, machen wir uns es erst mal gemütlich. Das ganze Ding hier nennt sich ja schliesslich Hotelzug und besticht durch eine wahnsinnige Beinfreiheit. Irgendwie erstklass Niveau. Elektrisch verstellbare Sitze, ein Reise-Set mit Decke, Zahnbürste, Zahnpasta, Gehörschutz und eine Schlafbrille. Nur eine Steckdose fehlt. Wie soll ich jetzt meine ganze mitgeschleppte Elektronik betreiben beziehungsweise wieder aufladen?

18:00 Uhr: Schreiben mag ich noch nicht, gucken wir mal ein Filmchen auf dem Tablet. Zwischendurch mal durch den Wagen laufen. Vielleicht ist ja doch eine Steckdose da. Der Akku hält sich bis jetzt zwar nicht schlecht.

19:00 Uhr: Was kleines Essen und ein Bierchen trinken. Mal kurz austreten. Vielleicht finde ich dort den begehrten Strom. Ich bin doch in Frankreich. Die produzieren das Zeug schliesslich massenweise. Akku noch lange nicht leer.

20:00 Uhr: Ein wenig Musik hören und die Landschaft geniessen. Hab die Suche aufgegeben. Das wirkliche Entertainment findet sowieso direkt im Zug statt. Bei einem Zwischenhalt sind noch Passagiere zugestiegen. Eine Familie, die wohl nicht Kurzurlaub macht, sondern umzieht. Das Familienoberhaupt läuft ganze fünf Mal vom Bahnsteig an seinen Platz und buckelt Koffer, Billy-Regale und weitere sperrige Gegenstände in den Wagen vor mir. Der Akku neigt sich doch ein wenig dem Ende zu.

21:00 Uhr: Doch mal Zeit ein paar Zeilen für dieses Blog zu schreiben. Beeilung! Der Akku ist bald le…

Hier sind die bunten Bilder der letzten Tage zu finden. Wie gewohnt auf flickr.

Sightseeing als neue Sportart?

Touristen

Touristen: Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Fuck Sightseeing

Die vielen Städte haben langsam Spuren an mir hinterlassen. Man kann irgendwann die vielen Ruinen, Kirchen, Denkmäler, Prunkbauten aus romanischer, gotischer, klassizistischer, Vor- und Nachkriegszeit nicht mehr sehen. Kein Haus, keine Hütte, in der nicht eine ganz wichtige Persönlichkeit auf die Welt kam, drin gearbeitet, gegessen, kopuliert hat oder gestorben ist. Hier wurde ein König gekrönt, da wurde er vom Papst zum Weihbischof geweiht und dort wurde er als Kaiser gemeuchelt. Die übliche Biografie eben, die man damals so hatte.

So beginnt man mit der Zeit das ganze sportlich zu sehen. Wer mich kennt, weiss dass ich das natürlich nur im übertragenen Sinne meine. Trotzdem zeige ich in folgenden Disziplinen schon ganz ansprechbare Leistungen.

Digicam-Slalom

Beginnen wir mit etwas einfachem. Fotografiert werden raubt dem Menschen ja bekanntlich die Seele. Wer will das schon? So muss man also slalomartig den Objektiven ausweichen, die einem natürlich von japanischen Reisegruppen vor die Nase gehalten werden. Ja, das Klischee ist wahr. Also ist es keines mehr. Vorteil dieser Sportart, man bleibt beweglich. Vorheriges ausführliches Dehnen allerdings nicht vergessen. Schnell kriegt man sonst eine Zerrung davon.

Rentner-Hochsprung

Spielstätte die U-Bahn-Station. Hier bleiben alte Leute gerne einmal direkt und völlig orientierungslos nach einer Rolltreppe in Gruppen stehen. Wie wenn dahinter niemand mehr kommen würde. Versucht man irgendwie den Einkaufswägelchen, Rollatoren, Geh- und Spazierstöcken inklusive Besitzer zu umgehen oder eben in letzter Not hochsprungartig zu überfliegen, erntet man dann garantiert noch erboste Schimpftiraden in allerlei Sprachen. Diese Sportart erweitert also auch gleich noch die Fremdsprachenkenntnisse. Wenn auch nur einen beschränkten Wortschatz mit Fäkalsprache.

Kunstpinkeln auf der Hundertwasser Toilette

Um dies gleich zu Beginn klarstellen. Ich besuchte diese öffentliche Bedürfnisanstalt nur, weil ich wirklich musste. Ganz dringend. Also wirklich sehr dringend! Es war ein sonniger, heisser Tag in Wien. So hatte ich bereits am frühen Nachmittag zwei Liter Wasser getrunken. Jede andere Toilette wäre auch genehm gewesen. Es war bloss keine andere da.

Ich kenne übrigens die WCs des Herrn Hundertwasser bereits. Ich hatte schon vor ungefähr zwanzig Jahren das Vergnügen auf einer Autobahnraststätte irgendwo in der Nähe der Grenze zu Ungarn. Ausser dass die Kacheln unförmig und bunt sind, ist der wichtigste Teil trotzdem nur ein Standarderzeugnis aus Keramik. Als Mann hat man es ja einfach. Kurz rein, erledigen, was erledigt werden musste, natürlich Händewaschen und dann wieder raus. Fertig. So einfach ist das. Ist es wirklich so einfach? Natürlich nicht!

Als ich rein kam – natürlich nur gegen ein kleines Entgelt – standen schon ein Dutzend Wartender in einer Schlange. Nanu? Das sind wir doch vom anderen Geschlecht gewohnt. Aha, Problem erkannt, es fehlen diese nützlichen Dinger, wo wir halt nur hin stehen können und… ihr wisst ja. Also nur sechs Kabinen und alle waren bereits besetzt. Innerlich bereits Amok gelaufen, kam in mir das dringende Bedürfnis hoch vorzudrängeln oder mindestens in den Raum zu brüllen, sie sollen sich mal beeilen. Finger aus dem Po nehmen wäre hier wohl keine passende Formulierung.

Mehrere Minuten später fragte ich mal den Typen vor mir, ob ihm auch schon aufgefallen sein, dass hier alle auf ein und dieselbe Toilette gehen. Die anderen seien alle geschlossen, wohl kaputt oder was auch immer. Aha, leuchtet ein. Doch dann trat der Held des Tages in Erscheinung. Ein neugieriger Zeitgenosse, der in die Nähe der Kabinen gelangt ist, hat einfach mal so den Türgriff einer anderen Toilette betätigt. Natürlich, sie war offen und leer. Welcher Vollidiot hat wohl in diesem stickigen Kellerloch dieses üble Gerücht gestreut?

Häuserschluchten-Orientierungslauf

Möchte man nicht ständig in diesen Hop-On-Hop-Off-Bussen unterwegs sein, aber trotzdem ein wenig was von der Stadt sehen, legt man als Fussgeher, wie es die Wiener nennen, doch ordentliche Distanzen zu zurück. Hab zum Spass mal ein Schrittzähler-App installiert. Aber es weigert sich mittlerweile noch zu zählen. Für diese Disziplin braucht es allerdings ein wenig Orientierungssinn und gutes Kartenmaterial. Es sollen schon viele Touris in Seitengassen verhungert sein. Erzählt man sich jedenfalls.

Das-sich-gratis-Sehenswürdigkeiten-erklären-lassen

Wer kennt das nicht? Man steht in der Altstadt vor einem altehrwürdigen, reichlich verzierten und verschnörkeltem Gebäude mit Erkern, filigranen Engelsfiguren und weiteren Fabelwesen. Zudem ist es noch mit einem kilometerlangen, stacheldrahtähnlichem Etwas umwickelt, um die Tauben zu verscheuchen. Ich meine damit die Vögel. Die Flugratten. Das muss also wichtig sein. Bloss was ist das?

Kein Problem. Man sucht sich einfach die nächste ältere Dame, die bei Sonnenschein ständig einen Regenschirm hochhält und die deutsch oder englisch spricht oder jedenfalls das was sie dafür hält. Wer noch mehr Fremdsprachen beherrscht, wählt auch noch aus spanisch, russisch, japanisch oder Mandarin aus. Nun stellt man sich in die Nähe der Reiseführerin. Sonst versteht man sie nicht, man hat ja schliesslich keinen dieser Kopfhörer, den die zahlende Reisegruppe bekommt. Jetzt tut man so, wie wenn man am Handy rum tippt. Schon bekommt man von ihr alle Infos geliefert, die man braucht.

Eine Information möchte ich dir, lieber Leser, gratis und franko weitergeben. Egal wo du stehst und was du dir anschaust, ob es ein kleines Haus ist oder ein riesiges Gebäude, ob es historisch oder postmodern ist, es hat immer mit Mozart zu tun. Ohne Ausnahme. Immer. Er kam in ungefähr vier Häusern gleichzeitig zur Welt. Irgendwo wohnte die Coucousine des Bruders der Hausmagd von Mozarts Urgrossvater mütterlicherseits. Woanders hab ich das Original aus Peddigrohr handgeflochtene Laufrad des Hamsters von Nannerl, Mozarts Schwester, gesehen.

Es geht auch unsportlich

Doch auch intellektuell wird man gefordert. Zum Beispiel durch Kopfrechnen. Gibt man jetzt mit den drei Fantastillionen der Währung XYZ gerade sein ganzes Vermögen aus? Oder hab ich bloss den Gegenwert einer halben Büroklammer als Trinkgeld gegeben? Die Gesichtsausdrücke der Bedienungen geben umgehen Aufschluss darüber. Im Zweifelsfall schiebt man mit verlegenem Lächeln nochmals zwei, drei Dublonen, Dukaten, Taler, Silberlinge oder einfach Goldstücke nach. Umgekehrt funktioniert allerdings nicht.

Doch zurück zum Sport. Einen touristische Medaille erhält man übrigens, wenn man es schafft, sich so durch die Stadt zu bewegen, dass man nicht zwei Kilometer gegen den Wind als solcher erkannt zu werden. Dieser Ruhm hat aber auch Nachteile. Man wird ständig nach dem Weg gefragt, welches die richtige U-Bahn-Linie ist und was sie kostet und die Bettler sprechen einem im Landessprache an.

Zum Schluss noch ein Rätsel. Wieso hat diese Frau jetzt gerade eben ein Snickers® vor einer Statue fotografiert? Leider hab ich kein Foto davon gemacht. Es hat bei mir mal wieder etwas länger gedauert und als ich sie fragen wollte, war sie auch schon wieder weg. Hinweise nehme ich gerne über die üblichen Kanäle entgegen.

Auch ihr könnt Sightseeing machen. Auf flickr findet ihr die Fotos.

Hier noch mein Depeche Mode-Wackelvideo. Keine Meisterleistung, aber mit Liebe in Budapest gefilmt „Policy of Truth„:

Kennt ihr den? Kommt ein…

Eigentlich wollte ich ja regelmässiger schreiben. Alleine schon, weil mein Kurzzeitgedächtnis nicht über fünf Minuten hinausgeht. Gutes Stichwort. Was wollte ich jetzt schon wieder schreiben?

Ach ja, die letzten Tage. Am besten witzig. Einfacher gedacht, als gemacht – genau, ich hab es gedacht, nicht gesagt. Ich bin noch nicht soweit, dass ich Zug schon Selbstgespräche führe. Wenn wir schon bei Selbstgesprächen sind. Kennt ihr diese verrückte Katzenlady aus den Simpsons? Ich hab sie gesehen! In Prag. Bloss die Katzen fehlten irgendwie. Aber sonst passte alles. Sie wetterte lauthals alle vorbeigehende Passanten an oder schrie wirres Zeug vor sich hin. Zugegeben, ob es nun wirr war oder sogar Sinn ergeben hätte, weiss ich nicht. Schliesslich ist mein tschechisch nach zwei Tagen noch nicht so gut.

Doch nun der Reihe nach. Schliesslich bin ich ja gemäss des letzten Blogbeitrags erst in Solingen angekommen. Dort, genauer gesagt in Haan, durfte ich bei einer Freundin übernachten. Von dort aus, konnte ich alle grösseren Städte in zirka dreissig Minuten erreichen. Haan ist also sowas wie Olten. Man wohnt dort, weil man schnell woanders ist. Damit habe ich jetzt auch noch die Einwohner zweier Städte verärgert. Die verbliebenen Leser sollen nun wissen, was ich sonst noch so getrieben habe.

Am Samstag hab ich mir Düsseldorf angeschaut. An der Rheinpromenade hat es unzählige, gemütliche Bars, Restaurants und Cafés. In der Altstadt kann man shoppen oder in einer der vielen Kneipen verweilen. Das dort übliche Altbier gibt es – und das ist schon gewöhnungsbedürftig – bloss in homöopathischen Dosen. Ich schätze mal zwei Deziliter. Dafür klappt der Nachschub umso besser. Solange man nicht abwinkt, wird dem durstigen Gast immer wieder ein neues hingestellt. Herrlich! Bevor ich nun wütende Kommentare von emanzipierten Frauen erhalte, das Wort „herrlich“ stammt übrigens nicht von „Herr“, sondern von „Heer“ ab, genau so wenig, wie das Wort „dämlich“ von „Dame“ kommt. Genaueres bitte ich selber im Duden nachzuschlagen oder im Internet zu recherchieren. Nur so damit das auch mal gesagt ist.

Eine Warnung noch zu Düsseldorf. Wenn Fortuna ein Heimspiel hat, kommen zu allen Junggesellenabschieden noch die Fussball-Fans dazu, dann kann es schon mal wie auf Malle zugehen. Irgendwie war dass eine Mischung aus lustig und lästig.

Die nächsten Tage war ich unter anderem an einer wirklich lustigen Geburtstagsparty – aus datenschutzgründen gibt es an dieser Stelle allerdings keine weiteren Details – in Köln, in Wuppertal, an der Müngstener Brücke, auf Schloss Burg und in der Skihalle in Neuss. An dieser Stelle ein herzliches Merci an alle, die mich so gastfreundlich empfangen haben. Ein paar Bilder dazu hab ich hier zusammengestellt.

Alle Fotos auf flickr

Nach mehreren Tagen in Haan, meldete sich dann doch wieder mal der Reisende in mir. Doch wohin soll’s jetzt gehen? Am besten mal schauen, wohin die Nachtzüge fahren. Am besten einer, der lange fährt, damit genügend Zeit zu schlafen ist. So jedenfalls der Plan. Wunderbar, da gibt es einen von Köln nach Prag. Kommt um 09:30 in Prag an. Strike! Das reicht sogar zum Ausschlafen.

Ja, klar. Es kam anders. Um in einem Nachtzug zu pennen, muss man schon mächtig müde sein oder besoffen oder einfach nur bekloppt. Aber das war ich nicht. Zwischendurch mal kurz eingenickt, aber sonst war nix mit pennen. Ein Ereignis hatte allerdings auch jene geweckt, die schlafen konnten. Als der Nachtzug um zwei in der Früh in Hannover für dreiviertel Stunde abgestellt wurde. Diese plötzliche Stille, das Fehlen der ratternden Räder, kein Schütteln mehr. Das riss alle aus dem Schlaf. So trafen sich Leute aus der ganzen Welt auf dem Perron und überbrückten die Pause mit plaudern, essen, trinken und rauchen. Müde, aber bei strahlend blauem Himmel, erreichte ich Prag. Doch seht selber auf den Bildern.

Alle Fotos auf flickr

In Prag kann man grössere Strecken bequem per Tram oder Metro zurücklegen. Doch als ehrlicher Zeitgenosse muss man zuerst mal wissen, wo man Tickets lösen kann. In der Metro ist es noch relativ einfach, dort hat es Automaten. Wenn man das richtige Kleingeld zur Seite hat, ist es kein Problem. Aber was macht man an den Tramhaltestellen. Kein Ticketautomat weit und breit. Und doch stempeln alle, die einsteigen ein Ticket ab. Woher haben sie das bloss? Die Antwort ist ganz einfach. Man kauft sie entweder im Hotel oder in einem der vielen Tabakläden.

Genau vor diesem „Beschaffungsproblem“ stand eine Gruppe Stuttgarter Touristen, als ich spät abends gegenüber meines Hotels in einem kleinen Quartierladen noch was zu Trinken kaufen ging. Dort erkundigte sich bereits eine der illustren Truppe an der Kasse. Allerdings gab’s in diesem Shop wohl keine. Wieder draussen fragte mich ein anderer auf Englisch, ob ich denn von hier sein und wo man Tickets kauft. Nett, wie ich bin hab ich dann sogar auf Deutsch geantwortet.

Für das Folgende wird mir mein Karma in den Arsch treten, aber ein kleines Spässchen musste mal wieder sein. Ich hab so getan, wie wenn ich schon längere Zeit in Prag sei und geantwortet, es sein hier völlig normal schwarz zu fahren. Nur Touristen zahlen dafür. Schulterzuckend sind sie dann ein paar Minuten später ins nächste Tram gestiegen. Liebe Freunde aus Baden-Württemberg, ich hoffe sehr ihr seid ohne Kontrolle ins Hotel gekommen und sonst, dass wenigstens die Strafe der Prager Verkehrsbetriebe nicht zu teuer war.

Jetzt fehlt diesem Tagebucheintrag immer noch der eingangs versprochene Witz. Also, kennt ihr den? Kommt ein Elefant, ein Pfarrer und ein Dinkelbrötchen in einen thailändischen Massagesalon… Ach lassen wir’s. Ich kann einfach keine Witze erzählen.

Speed-Sightseeing

Bisher war ich ja immer ziemlich lange an einem Ort. Heute wird alles ein wenig anders. Öfter mal was neues eben. Am Bahnhof die Würfel entscheiden lassen wohin man fährt, hab ich schon mal gemacht. Ausserdem wäre das heute eine ganz schlechte Variante, da mein Ziel feststeht. Solingen.

Heute ist also nicht das Ziel im Mittelpunkt, sondern die Zeit. Genauer gesagt, nicht zu früh anzukommen. Ich darf bei einer Freundin übernachten, die aber heute erst spät abends zu Hause ist. Was könnte man da machen? Die Züge sind ja schliesslich immer schneller. Was früher über einen Tag dauerte, ist heute in wenigen Stunden zu erreichen. Selbstredend, dass darüber viele Reisende glücklich sind. Bloss ich ausnahmsweise nicht.

Daher meine Idee für heute: Speed-Sightseeing. In einen Zug steigen und am nächst grösseren Ort wieder aussteigen. Kurz die Stadt anschauen und dann weiter. Einmal fühlen wie eine asiatische Reisegruppe, die ganz Europa in fünf Tagen abklappert.

MünsterbUlmErste Station, Ulm. Schnell mal das Münster angucken gehen. Aha, mit Turmaufstieg. Cool! Hab ich jedenfalls vorher gedacht. Nach unzähligen Stufen, ständig im Kreis herum und drei streikenden Kindern, die sich sitzend auf der sehr engen Treppe breitgemacht haben, denke ich irgendwie anders. Man, das wird morgen mächtig Muskelkater geben!

Danach hätte es eigentlich weitergehen sollen. Nach Stuttgart. Irgendwer muss sich ja jetzt endlich um diesen neuen Bahnhof kümmern. Wenn ich schon mal da bin. Hab ja Zeit. Die hat die Deutsche Bahn allerdings auch. Der Zug, den ich nehmen wollte, fällt schon mal aus. Obwohl ich ja zu viel Zeit habe, könnte jetzt mein Zeitplan doch noch kippen. Mal schauen.

Schlossplatz StuttgartStuttgart begrüsst mich sogar mit Sonnenschein – also zumindest guckt sie zwischen den Wolken durch. Besser als der Regen in Augsburg und Ulm. Mal kurz durch die Einkaufsstrasse zum Schlossplatz huschen. Ganz nett. Doch allzu viel Zeit bleibt nicht. Kurz ein Brötchen essen und noch ein paar ausgewählte, gebraute Getränke kaufen. Weiter geht’s nach Mannheim, allerdings reicht’s dort nur zum Umsteigen. Wenn alles klappt krieg ich dort den Zug nach Solingen.

Passt! Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Eine kleine Reminiszenz an alle A-Team-Fans. Obwohl ich mich ja auf dem Bahnsteig – ja ich weiss, das heisst bei uns in der Schweiz Perron, aber ich bin grad so drin – ausführlich informiert habe, bin ich im falschen Zugteil gelandet. Das heisst in Köln nochmal umsteigen. Halb so wild. Zur Entschädigung wird einem hier das Bier an den Platz gebracht. So lässt es sich aushalten!

Gratis W-LAN im ICE sei Dank, kann ich diesen Bericht sogar aus dem Zug hochladen. Was man heute so alles kann. Bin immer wieder erstaunt. Fazit des heutigen Tages: Ich konnte zwar die fernöstlichen Reisegruppen nicht toppen, aber spannend war es trotzdem. Bis die Tage!

PS: Alle Fotos auf flickr

Schreiben ist Silber, Bilder sind Gold

München, Salzburg und Augsburg. Vieles ist dort in den letzten Tagen passiert. Unzählige Sehenswürdigkeiten hab ich angeschaut und mindesten zehnmal so viele hätte man noch sehen können. Viele Leute hab‘ ich getroffen. Alte Bekannte, aber ich hab auch neue Leute kennen gelernt. Überall wurde ich sehr herzlich empfangen. Vielen Dank euch allen!

Darum hatte ich die letzten Tage diesem Blog auch keine Beachtung geschenkt. So soll es ja auch sein, wenn immer was läuft und das Wetter erst noch besser wurde.

Als bequemen und schnellen Zwischenbericht sind hier ein paar Bilder der vergangenen Woche:

Alle Bilder sind auf flickr zu finden: Hier klicken

Das mysteriöse Play-Symbol

Das Play-Symbol

Gestern hab ich viel gelernt. Fest steht nun, das Play-Symbol ist nicht eine Erfindung der Unterhaltungsindustrie, sondern tauchte schon viel früher im „Alten Peter“ an der Deckenmalerei auf (siehe Foto links). Was allerdings damit gestartet wurde, ist leider nicht dokumentiert.

Um die Bedeutung dieses Zeichens herauszufinden, bin ich ins Deutsche Museum. Wo sonst soll man Antwort auf diese dringende Frage finden?

Rächt mich!

Mehrere Stunden später hatte ich noch immer keine Antwort gefunden, aber ein neues Problem. Zwischenzeitlich auf dem Mond gelandet, stellte sich mir die Frage, wie finde ich wieder aus dem riesigen Museum raus? Mich beschlich langsam die Angst, für immer dort bleiben zu müssen. Panik machte sich breit!

Sicherheitshalber trennte ich mit einer grossen Säge aus der Maschinenabteilung meinen linken Arm ab, um wenigstens etwas zu Essen zu haben. An Wasser zu kommen war allerdings einiges schwerer. Ich habe zwar Zeitzeugen getroffen, die ein WC gesehen oder zumindest davon gehört haben wollen, doch niemand konnte mir den Weg weisen.

Vielleicht ist dies also bereits der letzte Blogbeitrag. Der Akku reicht nur noch für diesen Hilferuf. Wenn ich also nicht durchkommen werde, rächt mich!

UPDATE: Konnte mir mit einer ausgestellten Tunnelbohrmaschine den Weg in die Freiheit erkämpfen. Es kann weitergehen!